Drella Februar 26, 2009 Ich bin in einer Gesellschaftsrechts-Vorlesung und mir wurde gerade erzählt, dass es kein negatives Eigenkapital geben kann. Kommt es dazu, wird die Gesellschaft sofort liquidiert. Ist das wirklich so? Danke Gruß Profi Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Gast240123 Februar 26, 2009 · bearbeitet Februar 26, 2009 von Schlafmuetze Das Eigenkapital kann bei KapG. höchstens auf 0 lauten, der das Eigenkapital übersteigende Teil wird auf der Aktivseite als "Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag" ausgewiesen. Bei Personengesellschaften ist auch ein negatives Eigenkapital (negative Kapitalkonten der Gesellschafter) denkbar. Vergiss das mit der sofortigen Liquidation, das ist Nonsens. Das kommt bestimmt nicht vom Prof.. Wenn doch, schmeißt ihn raus! Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Arkad Februar 26, 2009 Ein "Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag" kann mit einer Rangrücktrittserklärung der Gesellschafter, in ausreichender Höhe versteht sich, sozusagen ausgeglichen werden. Eine Insolvenz ist damit vorerst abgewendet. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Sladdi Februar 26, 2009 Hi, nach HGB scheint auch ein negatives EK möglich. Bei der Firma Ehlebracht (http://www.ehlebracht-ag.com/) könnt Ihr auf S. 3 des GB 2005 in der Mehrjahresübersicht ein negatives EK finden. Gruß Sladdi Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Drella Februar 26, 2009 · bearbeitet Februar 26, 2009 von Profi Ein "Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag" kann mit einer Rangrücktrittserklärung der Gesellschafter, in ausreichender Höhe versteht sich, sozusagen ausgeglichen werden. Eine Insolvenz ist damit vorerst abgewendet. Was hat das für Konsequenzen? Habe gerade in einer Bilanz gesehen, dass ein Unternehmen eine negative Gewinnrücklage hat. Wie ist das möglich? Bei dem Unternehmen handelte es sich um die Schaltbau Holding AG. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Herr S. Februar 26, 2009 Oh ja das gibt es! Sieht gut aus wenn das EK Links in der Bilanz steht... Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Wave XXL Februar 26, 2009 Ich bin in einer Gesellschaftsrechts-Vorlesung und mir wurde gerade erzählt, dass es kein negatives Eigenkapital geben kann. Kommt es dazu, wird die Gesellschaft sofort liquidiert. Ist das wirklich so? Danke Gruß Profi hab ich auch erst vor zwei Wochen in ner Vorlesung gehört.....hab den Dozent dann gefragt, weil ich das eben schon gesehen hatte, ua bei Schaltbau, aber auch bei Plambeck Neue Energien vor n paar Jahren....der wusste dann aber nicht genau Bescheid über IFRS usw.... Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Faceman Februar 26, 2009 · bearbeitet Februar 26, 2009 von Faceman Ein "Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag" kann mit einer Rangrücktrittserklärung der Gesellschafter, in ausreichender Höhe versteht sich, sozusagen ausgeglichen werden. Eine Insolvenz ist damit vorerst abgewendet. Ist sie auch, ohne den Rangrücktritt. Im Herbst wurde hierzu die InsO geändert. Demnach ist eine Überschuldung dann kein Eröffnungsgrund mehr, wenn der Geschäftsbetrieb fortgesetzt wird bzw. werden kann. Alte Gesetzeslage: InsO § 19 Überschuldung (1) Bei einer juristischen Person ist auch die Überschuldung Eröffnungsgrund. (2) Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt. Bei der Bewertung des Vermögens des Schuldners ist jedoch die Fortführung des Unternehmens zugrunde zu legen, wenn diese nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich ist. Neue Gesetzeslage: § 19 Überschuldung (1) Bei einer juristischen Person ist auch die Überschuldung Eröffnungsgrund. (2)Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich. Forderungen auf Rückgewähr von Gesellschafterdarlehen oder aus Rechtshandlungen, die einem solchen Darlehen wirtschaftlich entsprechen, für die gemäß § 39 Abs. 2 zwischen Gläubiger und Schuldner der Nachrang im Insolvenzverfahren hinter den in § 39 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 bezeichneten Forderungen vereinbart worden ist, sind nicht bei den Verbindlichkeiten nach Satz 1 zu berücksichtigen. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Drella Februar 26, 2009 Ist sie auch, ohne den Rangrücktritt. Im Herbst wurde hierzu die InsO geändert. Demnach ist eine Überschuldung dann kein Eröffnungsgrund mehr, wenn der Geschäftsbetrieb fortgesetzt wird bzw. werden kann. Alte Gesetzeslage: InsO § 19 Überschuldung (1) Bei einer juristischen Person ist auch die Überschuldung Eröffnungsgrund. (2) Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt. Bei der Bewertung des Vermögens des Schuldners ist jedoch die Fortführung des Unternehmens zugrunde zu legen, wenn diese nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich ist. Neue Gesetzeslage: § 19 Überschuldung (1) Bei einer juristischen Person ist auch die Überschuldung Eröffnungsgrund. (2)Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich. Forderungen auf Rückgewähr von Gesellschafterdarlehen oder aus Rechtshandlungen, die einem solchen Darlehen wirtschaftlich entsprechen, für die gemäß § 39 Abs. 2 zwischen Gläubiger und Schuldner der Nachrang im Insolvenzverfahren hinter den in § 39 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 bezeichneten Forderungen vereinbart worden ist, sind nicht bei den Verbindlichkeiten nach Satz 1 zu berücksichtigen. Das ist mir bekannt. Offen bleibt für mich jedoch, wie es zu negativen Gewinnrücklagen kommen kann & wie es zu einem negativen EK VOR dieser Gesetzesänderung kommen konnte. Mein Beispiel dazu war die Schaltbau Holding. Wo ist mein Denkfehler? Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Gast240123 Februar 26, 2009 Wo ist mein Denkfehler? Du differenzierst nicht zwischen Einzel- und Konzernabschluss. Der Konzernabschluss ist für die InsO unmaßgeblich. Im Einzelabschluss weist die Schaltbau Holding Gewinnrücklagen in Höhe von 11,2 Mio. Euro aus. Die Gewinnrücklagen im Konzern sind weniger aussagekräftig, da die Höhe von dem jeweiligen Konsolidierungsmodell (Stichwort: Fiktive Erfolgsverwendungsrechnung im Konzern) abhängig ist. Meist werden die Gewinnrücklagen allerdings durch die Währungsumrechnungsdifferenzen oder Veränderungen der Neubewertungsrücklage aufgefressen. Schau mal in den Eigenkapitalspiegel. (Tipp: Küting/Weber, Der Konzernabschluss, Darstellung des Erfolgsausweises; IAS 21 Wechselk. u. IAS 39 i.V.m. IAS 36 Wertminderungen von Vermögenswerten) Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Stairway Februar 26, 2009 Unter US Gaap ist negatives EK auch ganz formell möglich, da dort niemals ein "Nicht durch EK gedeckter Fehlbetrag" auftaucht, sondern nur einfach die EK Position mit nem Minus davor ausgewiesen wird. Bsp: Yum! Food. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Perdox Februar 26, 2009 · bearbeitet Februar 26, 2009 von Perdox Ja es ist zum Beispiel möglich, wenn Du nachweisen kannst, dass Du in der Bilanz noch genügend stille Reserven hast, dann ist ein negatives Eigenkapital im Prinzip kein Insolvenzgrund. Als Beispiel Du hast Immobilien in der Bilanz die abgeschrieben sind bis auf einen Euro. Du kannst nachweisen, dass der Verkehrswert dieser Immobilien 1 Mio Euro ist. Wenn Du jetzt ein negatives EK von 300 T hättest, wäre das kein Insolvenzgrund. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Drella Februar 26, 2009 Du differenzierst nicht zwischen Einzel- und Konzernabschluss. Der Konzernabschluss ist für die InsO unmaßgeblich.) Jetzt sehe ich es auch im GB von Schaltbau. :'( OK. Macht sinn. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Faceman Februar 26, 2009 Das ist mir bekannt. War auch nicht an dich, sondern an Arkad gerichtet. Offen bleibt für mich jedoch, wie es zu negativen Gewinnrücklagen kommen kann & wie es zu einem negativen EK VOR dieser Gesetzesänderung kommen konnte. Das ist leicht. Vor allem bei kleinen Unternehmen. Brauchst nur einen Kredit aufnehmen und damit die Geschäftsführer-Gehälter auszubezahlen. Weg isses, das EK. Und wenn du nicht rechtzeitig den Insolvenzantrag stellst und im Gegenteil noch weitere Kredite bekommst, gehts sogar schneller und noch länger. Auf gut deutsch: kleine Gesellschaften und bilanzierende Unternehmer mit negativem EK gibt es wie Sand am Meer. Im Prinzip kräht da kein Hahn nach, solange du deine Verbindlichkeiten immer irgendwie bezahlen kannst. Nichtmal das Finanzamt interessiert das. Das einzige was problematisch ist, ist der Zeitpunkt, wenn jemand den Insolvenzantrag stellt. Dann ist der GF oder der Gesellschafter wegen Verschleppung dran. Im vorliegenden Fall, den ich nicht kenne und den ich mir auch nicht angesehen habe, kann es natürlich auch an Bewertungsproblemen, an Konzernverflechtungen und an anderen Dingen liegen, die ein negatives EK entstehen lassen. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Carpe_diem Februar 27, 2009 und noch ein aktuelles prominentes Beispiel General Motors Link seit drei jahren negativ und immer schön fallend, mittlerweile schon 80Milliarden $ Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
DerRichterII Februar 27, 2009 Offen bleibt für mich jedoch, wie es zu negativen Gewinnrücklagen kommen kann & wie es zu einem negativen EK VOR dieser Gesetzesänderung kommen konnte. Fragenkomplex wurde wohl mittlerweile schon beantwortet. Möchte ein ganz einfaches Beispiel bringen, welches auch aufzeigt warum negatives EK (bzw. nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag) entstehen kann, ohne dass es gleich nach Insolvenz riechen muss. Gründung Gesellschaft mit EUR 25.000 Cash 25.000 EK 25.000 ansonsten passiert nichts in dem Geschäftsjahr außer eines nicht zahlungswirksamen Aufwands. Da wir nichts auf der Aktivseite haben, "basteln" wir uns eine oder mehrere Rückstellungen. - Drohverlust - Pension - ungewisse Verbindlichkeiten (Klage vor Gericht, etc.) Hauptsache (erst einmal) nicht zahlungswirksam bzw. erst in künftigen Perioden fällig. Aufwand an Rückstellungen 50.000 und schwupps haben wir negatives EK von 25.000 ohne auch nur einen Cent Abfluss an flüssigen Mitteln zu haben. Das Beispiel passt auch ganz gut zu den letzten Diskussionen bei "Kennzahlen" und Cashflow Betrachtung Frohes Wochenende Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag